Die Beseitigung von Schmierereien ist im städtischen Raum eine Routineaufgabe. Doch die Graffitientfernung an Tatorten stellt eine vollkommen andere Herausforderung dar. Hier treffen technische Reinigungsanforderungen auf kriminalistische Notwendigkeiten und psychologische Aspekte. Dieser Artikel beleuchtet, warum diese spezielle Form der Reinigung Fachwissen erfordert und wie sie durchgeführt wird.
Besonderheiten der Graffitientfernung an Tatorten
Im Gegensatz zur herkömmlichen Fassadenreinigung ist ein Tatort ein sensibler Bereich. Oftmals handelt es sich bei den Graffiti nicht um harmlose "Tags", sondern um Hasssymbole, Drohungen oder Markierungen, die im direkten Zusammenhang mit einer Straftat stehen. Die Graffitientfernung an Tatorten muss daher oft unter hohem Zeitdruck geschehen, um eine Retraumatisierung von Opfern oder Anwohnern zu verhindern.
Zudem kann die Farbe mit anderen Substanzen vermischt sein. In extremen Fällen finden sich an Wänden nicht nur Lackrückstände, sondern auch biologische Spuren wie Blut oder Gewebe, was die Arbeit für herkömmliche Gebäudereiniger gefährlich macht.
Rechtliche Aspekte und Spurensicherung
Bevor eine Graffitientfernung an Tatorten beginnen kann, gilt eine eiserne Regel: Nichts anfassen ohne Freigabe. Der Tatort muss von der Polizei oder der Staatsanwaltschaft offiziell freigegeben sein.
- Beweissicherung: Graffiti können Täterhandschriften verraten oder wichtige indizielle Beweise sein. Eine verfrühte Reinigung würde Beweismittel vernichten und stellt eine Straftat dar (Strafvereitelung).
- Dokumentation: Selbst nach der Freigabe dokumentieren professionelle Tatortreiniger den Zustand vor der Reinigung fotografisch, um im Zweifelsfall Nachweise für Versicherungen oder Behörden zu haben.
Methoden der professionellen Entfernung
Die Wahl der Methode hängt stark vom Untergrund (Beton, Klinker, Putz, Metall) und der Art der verwendeten Farbe ab. Da bei der Graffitientfernung an Tatorten oft aggressive Lacke verwendet wurden, kommen spezialisierte Verfahren zum Einsatz.
Chemische Verfahren
Hierbei werden spezielle Lösungsmittel aufgetragen, die die Bindemittel der Farben lösen. Dies erfordert genaue Kenntnisse über die chemische Reaktion, um den Untergrund nicht dauerhaft zu beschädigen. Nach der Einwirkzeit wird die gelöste Farbe mit Hochdruck und heißem Wasser abgewaschen. Wichtig ist hierbei das Auffangen des Schmutzwassers gemäß Umweltauflagen.
Abrasive Verfahren (Strahltechnik)
Bei empfindlichen oder sehr porösen Oberflächen, in die die Farbe tief eingedrungen ist, hilft oft nur mechanisches Abtragen.
- Niederdruckstrahlen: Ein Gemisch aus Luft, Wasser und einem feinen Granulat (z.B. Glasmehl oder Nussschalen) wird auf die Fläche gestrahlt.
- Trockeneisstrahlen: Diese Methode ist besonders schonend und hinterlässt keine Feuchtigkeit, was an Tatorten mit weiteren Kontaminationen vorteilhaft sein kann.
Kombination mit Tatortreinigung
Häufig überschneidet sich die Graffitientfernung an Tatorten mit der klassischen Tatortreinigung. Wenn Vandalismus mit Körperverletzung einherging, müssen Flächen nicht nur von Farbe befreit, sondern auch desinfiziert werden. Spezialisierte Unternehmen verfügen über die nötige Schutzausrüstung (PSA), um sich vor Krankheitserregern zu schützen, während sie die Spuren der Tat beseitigen.
Warum Experten hinzuziehen?
- Diskretion: Profis arbeiten schnell und unauffällig.
- Materialkunde: Vermeidung von "Geisterbildern" (Schatten der entfernten Graffiti).
- Gesetzkonformität: Fachgerechte Entsorgung von kontaminierten Abfällen.
Die Graffitientfernung an Tatorten ist somit weit mehr als nur Putzen – es ist ein wichtiger Schritt zur Wiederherstellung der Sicherheit und Ordnung.